In diesem Jahr war es endlich so weit, für Conny, Uwe und mich ging es – für alle das erste Mal – auf die weite Reise nach Cebu City auf den Philippinen um beim Großmeister Ciriaco „Cacoy“ Canete zu trainieren.
Am 28. Februar ging unser Flieger. Der Flug war lang und fast problemlos. Wobei die Betonung hierbei auf „fast“ liegt, denn in Manila hatten wir leider unseren Anschussflieger verpasst, worauf das Flughafenpersonal uns mit der wohl üblichen „asiatischen Ruhe“ ca. 2 Stunden in dem Glauben ließ, dass wir wahrscheinlich dort erstmal übernachten müssen. Allerdings war es dann ganz plötzlich doch noch möglich, uns im nächsten – maximal halb ausgebuchten – Flieger nach Cebu City unterzubringen.
Schon mit sehr geringen Erwartungen an das Land gelandet, wurden wir bereits auf der Fahrt zum Hotel mit der erschreckenden Armut konfrontiert. Am Straßenrand vielen mir sofort die teilweise nur mit Wellblech, etwas Holz und Tüchern zusammengestellten Baracken auf, die hier als Unterkünfte für einen Grossteil der Bevölkerung dienten. Kleine Kinder, die kaum Kleidung an hatten und in Bergen von Müll und Schutt versuchten zu spielen bzw. an den Kreuzungen zu den Autos kamen, um nach Geld und Nahrung zu betteln. Und dieses traurige Bild bot sich uns jedes Mal, wenn wir mit dem Taxi – für umgerechnet noch nicht einmal 2 Euro – durch die halbe Stadt gefahren wurden.
Auch das „Freiluftdojo“ des Doce Pares Headquarter war eine sehr große Umstellung für uns. Wo wir doch sonst auf einer ständig sauberen und desinfizierten Mattenfläche bei uns im Verein trainieren können, mussten wir uns jetzt auf einer Mattenfläche bewegen, die aussah, als wären hier nur ausgesonderte Matten untergekommen, die seit dem Auslegen, nicht mehr gereinigt wurden. Dafür wurden wir allerdings mit sehr guten Trainingseinheiten entschädigt, die mindestens einmal bzw. teilweise auch zweimal am Tag stattfanden.
Da der Großmeister sich zu diesem Zeitpunkt noch von einer Operation erholen musste, trainierten wir hauptsächlich unter John John Mac. John John gehört zu den besten Schülern von Canete und ist der amtierende Weltmeister im Doce Pares Eskrima. Er schaffte es, einige der unzähligen Techniken des Großmeisters, in ein System zu verpacken und uns diese – für Asiaten eher ungewöhnlich – mit einer angemessenen Methodik zu vermitteln. Weiterhin konnten wir uns auch regelmäßig in Sparringskämpfen austoben.
Absolutes Highlight während unseres Aufenthaltes war das International Mixed Martial Arts Seminar, was im Zeitraum von 07. bis 09. März in Cebu City stattfand. Hierzu trafen nach und nach, schon einige Tage vor dem Seminar, viele große Kampfsportler aus aller Welt ein, u. a. auch der legendäre Kampfsportgroßmeister Richard S. Bustillo. Die Tage vor dem Seminar waren geprägt von Pressekonferenzen, abendlichen Partys und gemeinsamen Sightseeing.
Das Seminar an sich war eine echte Herausforderung, drei Tage jeweils von 09:00 bis 16:00 Uhr Training, mit nur einstündiger Mittagspause zwischendurch. Allerdings wurde das Ganze durch die erstklassigen Referenten und die Vielfältigkeit der angebotenen Techniken etwas relativiert. Der Schwerpunkt lag zwar bei Techniken aus dem Bereich des Doce Pares Eskrima, es wurde aber auch in den Bereichen Jeet Kune Do, Kick- / Thaiboxen und Grappling trainiert. Während des Seminars lies es sich auch der Großmeister Ciriaco „Cacoy“ Canete nicht nehmen, trotz seines hohen Alters von mittlerweile 88 Jahren und der gerade mal 2 Wochen zurückliegenden Operation, selbst noch in einer atemberaubenden und sehr beeindruckenden Vorstellung sein unglaubliches Können zu präsentieren.
Für Uwe war dieses Wochenende allerdings nicht nur durch umfassendes Training geprägt, sondern es hielt gleich zwei außergewöhnliche Ereignisse bereit. So fand am 08. März in den Abendstunden eine Doce Pares Hall of Fame Ceremony statt. Auf dieser Veranstaltung wurde Uwe mit dem Award für den „Most valuable law enforcment instructor of the year“ geehrt (was übersetzt soviel wie „Wertvollster Polizeitrainer des Jahres“ bedeutet).
Tags darauf, die vorausgegangene Ehrung noch gar nicht ganz verarbeitet, wurde Uwe vom Großmeister Ciriaco „Cacoy“ Canete dann auch noch der 6. Dan im Doce Pares Eskrima verliehen. Mit dieser Graduierung geht nicht nur der Meistertitel in diesem Stockkampfsystem einher, sondern damit ist Uwe mit einem Berliner Familienangehörigen der Canete – Familie zusammen der höchstgraduierteste Doce Pares Eskrimador in Deutschland. Auch Conny und ich bekamen eine neue Graduierung. Conny erhielt den 3th Class Brown Belt und ich den 1th Class Brown Belt. Am 11. März stand dann für uns die Rückreise an. Nach einer letzten Trainingseinheit begaben wir uns mit eher gemischten Gefühlen wieder zum Flughafen. Einerseits waren wir froh, wieder nach Hause zu kommen, andererseits hatten wir aber auch eine ganze Menge an neuen Erfahrungen gesammelt.
Marco Schlenk
Nach fünf-jähriger USA Pause war es für mich endlich wieder soweit ins sonnige Nordamerika zu fliegen, um fleißig zu trainieren. Während sich Phil von Oma und Opa in Stralsund verwöhnen ließ, eröffneten wir unseren aktiven Urlaub mit einem Sightseeing Wochenende in Washington D. C.. Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika empfing uns mit ca. 38°C, (im Schatten wohl gemerkt – und es gab keinen Schatten) was uns aber nicht davon abhielt innerhalb eines Tages die wohl berühmtesten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zu besichtigen. Angefangen mit dem Weißen Haus übers Jefferson Memorial, das Capitol, Washington Monument, Lincoln Memorial bis zum wohl berühmtesten und vor allem beeindruckensten Friedhof der Welt, Arlington und nicht zu vergessen die Union Station, welche für jeden Touristen ein Besuch wert sein sollte.
Nach diesen vielen, noch nicht völlig verarbeiteten, Eindrücken ging es dann am nächsten Tag weiter nach Los Angeles, um unserer eigentlichen Aufgabe nach zu gehen, dem Training. Von Montag bis Freitag stand Privattraining bei Großmeister Gokor Chivichiyan an. Wie nicht anders erwartet, zeigte Gokor wieder seine ganze Klasse und ließ uns von seinem unheimlich großen Technikschatz und seiner Kampferfahrung partizipieren. Großmeister Gokor hat es sich nicht nehmen lassen, mit uns täglich am Boden zu kämpfen und damit zu überprüfen, ob die gelernten Techniken auch im Kampf von uns umgesetzt werden können.
Nach so anstrengendem Training wurden wir fast täglich gezwungen bei „Del Taco“ essen zu gehen und uns das mexikanische Fast Food runter zu zwingen, nein ganz ehrlich, es ist furchtbar lecker.
Unser zweites trainingsfreies Wochenende verbrachten wir, nach 6h total langweiliger Fahrt durch die Mojave Wüste, im Spielerparadies Las Vegas. Für mich war es der erste Besuch in dieser ziemlich ungewöhnlichen Stadt, welche aus dem Nichts auftaucht und auch genauso schnell wieder verschwindet.
Nach einem Tipp von unserem Freund, George Toney, suchten wir das Dojo von Randy Couture (für die die Randy nicht kennen, er ist sechsfacher UFC Gewinner) auf und waren mehr als beeindruckt. Dieses Dojo lässt jedes Kampfsportlerherz höher schlagen. Es gibt in diesen Räumlichkeiten echt alles, normale Trainingsfläche mit etlichen Sandsäcken, einen Boxring und einen richtigen Cage. Da neben eine Fläche für Gerätetraining. Überall findet man Monitore, auf denen von morgens bis abends UFC Kämpfe gezeigt werden. Von diesen Eindrücken mussten wir uns natürlich erstmal erholen, aber ich bezweifle ernsthaft, dass uns das bis heute gelungen ist.
Abends ließen wir es uns nicht nehmen eine, der in Las Vegas ständig aufgeführten, Shows zu sehen, wirklich atemberaubend.
Wieder zurück in LA stand unsere zweite trainingsreiche Woche an. Großmeister Richard S. Bustillo, endlich von seinem „Germany Trip“ zurück, gab mir in dieser Woche unglaublich geniale Privatstunden rund um das Thema Boxen/ Thai - Boxen.
Es ist leider nicht in Worte zu fassen, wie gut diese Einheiten waren. Einmal mehr hat mir Richard Bustillo gezeigt, warum er die amerikanische Olympiaauswahl im Boxen geführt hat. In der noch verbliebenen Zeit haben wir natürlich wieder bei Gokor trainiert, sowie bei einem guten armenischen Freund von Gokor, bei dem ich ebenfalls noch eine Privatstunde im Boxen nehmen durfte. Auch in dieser Einheit habe ich viel gelernt und viele neue Anregungen erhalten.
Das Ende der Woche und damit das Ende unserer USA Reise ließen Uwe und ich ruhig ausklingen und nutzen die Zeit für einen Besuch in den Universal Studios und für ein Treffen mit unseren Freunden, George und Kati, zum Barbecue.
Hoffentlich muss ich bis zum nächsten „Trainingslager USA“ nicht wieder so lange warten.
Uwe wird Euch dann nächsten März berichten, wie es beim Training auf den Philippinen war.
Am 24./ 25. September 2006 wurde im Rahmen eines Wochenendseminars beim International Martial Arts Schwerin e.V. der „Law Enforcement Instructor“ Award 2006 der United States Martial Arts Association International Hall of Fame an Uwe Claussen, dem Cheftrainer des IMAS e.V., durch Großmeister (GM) Richard S. Bustillo überreicht.
GM Bustillo ist Gründer und Cheftrainer der „International Martial Arts & Boxing“ Academy in Los Angeles in Kalifornien. Er ist einer der wenigen noch lebenden Direktschüler von des legendären Bruce Lee, dem Begründer des Jeet Kune Do, und Gründungsmitglied der „Bruce Lee Eductional Foundation“. GM Bustillo ist mit dem 9. Dan in Doce Pares Escrima einer der höchst graduiertesten Eskrimadors der Welt und besitzt nebenbei auch Meistertitel im Thai- und Kickboxen und catch as catch can um hier nur einige zu nennen. GM Bustillo kann wohl zu den komplettesten Kampfsportlern der Welt gezählt werden. 1989 wurde der Großmeister von der Black Belt Hall of Fame ausgezeichnet, weiterer Awards erhielt er durch die World Martial Arts Hall of Fame, die Fillipiono Martial Arts Hall of Fame, die International Martial Arts Hall of Fame, die Unitetd States Martial Arts Hall of Fame und das Martial Arts History Museum. Der ehemalige Dozent an der California State University ist lizensierter Trainer für Selbstverteidigung beim FBI, beim Los Angeles Police Department und dem Los Angeles Sheriffs Department. GM Bustillo ist außerdem Mitglied im Rat der United States Martial Arts Association International Hall of Fame.
Diese Organisation verleiht jährlich begehrte Auszeichnungen an Kampfsportler und Trainer aus der ganzen Welt. Diese Trophäe wird in verschiedenen Kategorien, ähnlich wie beim Oscar, vergeben und durch die Ratsmitglieder überreicht.
Für Claussen, der beruflich als Fachkoordinator für Einsatztraining bei der Polizei tätig ist, ist der „Law Enforcement Instructor“ Award 2006 (was übersetzt soviel wie Polizeitrainer des Jahres 2006 bedeutet) ein Höhepunkt in seiner mehr als 30 Jahre dauernden Kampfsportkarriere. Er trainiert seit vielen Jahren unter GM R.S. Bustillo und besitzt seid kurzem eine Master Instructor Lizenz im Jeet Kune Do (die höchste Lizenz die der GM in Deuitschland jemals vergeben hat), unter anderem ist Claussen Träger des 3. Dan im Doce Pares Escrima, des 6. Dan im Ju-Jutsu und Senior Intructor unter Gokor Chivichian (einem der weltweit erfolgreichsten Bodenspezialisten weltweit) im Bodenkampf.
Neben Uwe Claussen wurden auch zwei weitere Trainer des IMAS e.V. durch den Großmeister geehrt, indem er sie in den Rang eines Full Instructors gehoben hat. Damit verfügt der IMAS über drei von bundesweit sechs unter R.S. Bustillo lizensierten Trainern im Jeet Kune Do.
Auch in diesem Jahr war es wieder soweit, für Uwe stand ein Trainingsaufenthalt bei seinen Großmeistern und Kampfsportfreunden in den Vereinigten Staaten an. Diesmal hatte ich die Möglichkeit, Uwe auf seiner Reise begleiten zu dürfen. Am 22.Juli 2005 ging unser Flieger nach San Francisco. Dort problemlos angekommen, verbrachten wir die ersten 2 ½ Tage mit extrem "sightseeing". Nachdem wir dann sehr viel, aber bei weitem nicht alles, von dieser wunderschönen Stadt gesehen hatten, ging es für uns weiter nach San Jose zum Großmeister Cacoy Canete.
Hier erwarteten uns 4 Tage intensives Stocktraining mit einem Kampfkunstexperten, der über rund 80 Jahre Eskrima - Erfahrung verfügt. Das Training mit ihm und seinen Schülern, selber alle Meister und Großmeister in verschiedensten Stilen, war einfach atemberaubend - und manchmal auch ein wenig schmerzhaft.
Anschließend setzten Uwe und ich unsere Reise in Richtung Los Angeles fort. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir u. a. den Nationalpark Sequoia / Kings Canyon und verbrachten eine Nacht im Zockerparadies Las Vegas.
Während unseres Aufenthaltes in dem Nationalpark machten wir eine beeindruckende Bekanntschaft mit dem größten noch lebenden Baum der Welt, dem "General Sherman Tree".
Weiterhin musste Uwe auf dem "very dangerous" Pfad zum "Moro Rock" sogar einen riesigen Felsen festhalten, damit ich die Aussichtsplattform in über 2000 Metern Höhe erreichen konnte.
In Los Angeles angekommen stand uns eine sehr trainingsintensive Woche bevor. Wir trainierten regelmäßig bei Großmeister Richard S. Bustillo und bekamen Privattraining vom Großmeister Gokor Chivichyan.
Nebenbei hatte uns auch noch Uwes Freund George Toney zu ein Paar Trainingseinheiten mit seiner Trainingsgruppe in der Universität of Southern California eingeladen. Zu dieser Einladung konnten wir natürlich nicht "Nein" sagen.
Nachdem bis dahin in unserem Urlaub alles super geklappt hat, wurde es dann doch Zeit, die Heimreise anzutreten, zumindest nach dem Willen unseres Mietwagens, denn bei ihm fingen plötzlich irgendwelche Warnleuchten an zu blinken. Zu unserem Entzücken, entschied sich der amerikanische Sechszylinder dann doch noch uns zum Flughafen zu bringen. Auch der Rückflug war alles andere als entspannend. Denn schon auf dem Weg nach New York mussten wir mehreren Wirbelstürmen ausweichen, so dass es für unseren Anschlussflieger echt knapp wurde. Nachdem wir diesen dann völlig außer Atem, doch noch erreicht hatten, stellte der Pilot ungefähr nach 500 Meilen Flug über dem Atlantik fest, dass unser Flieger ein Treibstoffleck hatte. Die Folge war, dass wir sofort kehrt machten und zurück nach New York mussten. Dort wieder angekommen ließ man uns zunächst im Flugzeug sitzen. Nach ca. 3 Stunden Ungewissheit, hieß es plötzlich, der Schaden sei behoben und wir könnten unseren Flug fortsetzen. Da half nur Augen zu und durch. In London angekommen, war unser Anschlussflieger natürlich schon fast in Deutschland, so dass wir uns erstmal um einen neuen Flieger kümmern mussten. Letztendlich hatten wir doch noch Glück und ergatterten gerade so die letzten Plätze für eine Maschine nach Hamburg. Welches Glück wir in London hatten, zeigte sich zwei Tage später, denn zu diesem Zeitpunkt fing das Personal vom Flughafen London-Heathrow an zu streiken und tausende von Flugreisenden saßen in Englands Hauptstadt fest.
Insgesamt war die Woche in L.A., sowie die in San Jose sehr lehrreich und interessant. Für mich persönlich war es sehr eindrucksvoll, solche weltklasse Leute, die ich sonst nur auf Seminaren in Deutschland erleben durfte, auch mal etwas persönlicher kennen zu lernen. Weiterhin war ich überrascht über die Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft die uns von allen entgegen gebracht wurde. Alles in allem bin ich geprägt von sehr vielen positiven Erinnerungen an diese Reise und würde mich freuen, wenn ich irgendwann noch mal die Möglichkeit dazu bekomme würde.
Marco Schlenk